Vom Gründungsparteitag zur 1.Republik
Victor Adler eint die unterschiedlichen Strömungen der jungen sozialdemokratischen Bewegung. Sozialdemokraten ziehen in den Reichstag ein, alle Männer erhalten das allgemeine Wahlrecht. Die Schüsse von Sarajewo sind der Anfang vom Ende einer sozialistischen Vision vom friedlichen Zusammenleben der Völker. Gegen die erste Kriegsbegeisterung setzt sich der Friedenswille auch in der Sozialdemokratie erst langsam durch. 1918 sind die ”letzten Tage der Menschheit” zu Ende. Sozialdemokraten sind die ”Geburtshelfer” der Ersten Republik.
In der Regierung kann die Sozialdemokratie nun erstmals ihre Forderungen verwirklichen. In nur wenigen Monaten tut sie mehr für die arbeitenden Menschen als alle Regierungen vor ihr. Die Fronten verhärten sich aber. Nach Justizpalastbrand und Korneuburger Eid, der die Heimwehr auf autoritär-faschistische Ziele einschwört, setzen der Bürgerkrieg 1934 und der austrofaschistische Ständestaat der Demokratie ein Ende. Die Sozialdemokratie wird verboten. Der Nationalsozialismus wirft die ersten Schatten auf Österreich. Mit dem Anschluss Österreichs an Hitler-Deutschland, den viele in der Hoffnung auf Brot und Arbeit begrüßen, beginnt das schrecklichste und schmerzlichste Kapitel der österreichischen Geschichte.
30. Dezember 1888 bis bis 1. Jänner 1889
Hainfelder Parteitag: 110 Delegierte aus allen Kronländern (70 davon stimmberechtigt) nehmen die von Victor Adler verfasste “Prinzipienerklärung” an. “Gemäßigte” und “Radikale” sind versöhnt - die Sozialdemokratische Partei Österreichs ist geboren.
12. Juli 1889
Erste Nummer der “Arbeiter-Zeitung”. Sie erscheint zuerst zweiwöchentlich, ab 18. Oktober wöchentlich.
14. Juli 1889
In Paris wird die II. Internationale gegründet und der 1. Mai zum Weltfeiertag der Arbeiter erklärt.
1. Mai 1890
Erste 1.Mai-Feier in Wien. Parole: “8-8-8” (Acht Stunden Arbeit, acht Stunden Schlaf, acht Stunden Erholung).
28. Jänner 1891
Erster Wahlaufruf der Sozialdemokraten. Arbeiter haben noch kein Wahlrecht.
13. Oktober 1892
Die Gewerkschaftskommission, Urzelle des heutigen Gewerkschaftsbundes, wird gegründet.
24. bis 27. Dezember 1893
Erster Gewerkschaftskongress Österreichs. 69 Vereine aus Wien und 125 aus den Kronländern schicken insgesamt 270 Delegierte.
18. Oktober 1894
Auf einer Massenversammlung wird das allgemeine Wahlrecht gefordert. Sicherheitsorgane gehen mit Gewalt gegen die Arbeiter vor; es gibt zahlreiche Verletzte und Verhaftungen.
9. März 1897
Wahl der fünften Kurie des Abgeordnetenhauses. Die Sozialdemokraten erhalten 14 Mandate.
24. bis 29. September 1899
Im “Brünner Programm” fordern die Sozialdemokraten die Umbildung der Monarchie in einen demokratischen Bundesstaat autonomer Völker.
31. Mai 1900
Zum ersten Mal können Sozialdemokraten bei den Wiener Gemeinderatswahlen antreten. Sie erhalten über 56.000 Stimmen, aber nur zwei Mandate (Christlich-Soziale: 77.000 Stimmen/18 Mandate).
28. November 1905
24-stündiger Generalstreik; 250.000 Arbeiter demonstrieren vor dem Parlament fünf Stunden für das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht.
14. bis 25. Mai 1907
Erste allgemeine Wahlen (nur Männer). Von 516 Sitzen erhalten die Sozialdemokraten als zweitstärkste Fraktion 87.
19. März 1911
Erster “Frauentag” in Wien. Die Frauen fordern die politische Gleichberechtigung.
28. Juli 1914
Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien; der Erste Weltkrieg beginnt.
28. Dezember 1916
Erste Friedensversammlung im Wiener Arbeiterheim.
Jänner 1918
Streiks für die Beendigung des Krieges und für Verbesserung der Lebensverhältnisse in Wien und Wiener Neustadt.
30. Oktober 1918
Die “Provisorische Nationalversammlung” nimmt die vom Sozialdemokraten Karl Renner ausgearbeitete “Provisorische Verfassung” an und setzt einen Staatsrat unter Staatskanzler Renner ein.
1. November 1918
Der Sozialdemokratische Parteitag fordert die republikanische Staatsform.
12. November 1918
Die Provisorische Nationalversammlung ruft auf Antrag Renners die Republik “Deutsch-Österreich” aus.
16. Februar 1919
Bei der Wahl zur Konstituierenden Nationalversammlung sind erstmals auch Frauen wahlberechtigt. Die Sozialdemokratie wird stärkste Partei und bildet eine Koalition mit den Christlich-Sozialen.
Mai 1919
Wiener Gemeinderatswahlen: Von 165 Mandaten erhalten die Sozialdemokraten 100. Jakob Reumann wird der erste sozialdemokratische Bürgermeister von Wien.
10. September 1919
Staatsvertrag von St. Germain. Gesetz über den 8-Stunden-Tag. In Wien wird der erste Gemeindebau errichtet.
22. Oktober 1920
Die Sozialdemokraten gehen in die parlamentarische Opposition.
10. November 1920
Die neue Bundesverfassung tritt in Kraft.
Mai 1924
Gründung des “Republikanisches Schutzbundes” der Sozialdemokratischen Partei.
3. November 1926
Das “Linzer Programm” wird auf dem Parteitag beschlossen.
30. Jänner 1927
In Schattendorf/Burgenland schießen Frontkämpfer auf Schutzbündler.
15. Juli 1927
Der Freispruch der Schattendorf-Attentäter am Vortag fordert den Protest der Arbeiterschaft heraus. Erbittert ziehen die Arbeiter am Morgen in die Stadt. Der Justizpalast wird in Brand gesteckt. Zusammenstöße mit der Polizei fordern 85 Tote unter den Arbeitern und vier tote Polizisten; 600 Menschen werden verwundet.
18. Mai 1930
Die Heimwehren bekennen sich im “Korneuburger Eid” zum Faschismus: “... wir verwerfen den westlichen parlamentarischen Demokratismus.“
Quelle: http://rotbewegt.at/ |